Geschichte von Gottenheim

Die Zukunft war früher auch besser. Karl Valentin *1882; †1948

Quelle: 1086–1986 - 900 Jahre Gottenheim von Lia Kuhn & Dr. Walter Fauler; 1986

Von Kurt Hartenbach mit vielen Texten, Links und Bildern ergänzt.

Gottenheimer Dorfidyll um 1950

Liste der Fundstellen 'Gottenheim' aus Badische Hist. Kommission

👉Historische Tour Gottenheim 25 Stationen neuere Dorfgeschichte.


Die Geschichte Gottenheims reicht weiter viel zurück als die erste urkundliche Erwähnung:

Die Kelten (Bronzezeit)

Im 1. Jahrtausend v. Chr. bewohnten Kelten den südwestdeutschen Raum, sie bevorzugten fruchtbare Lößgebiete und legten schon große Siedlungen an.

Die Karte des Landes Baden-Württemberg, auf der bronzezeitliche Fundstätten eingetragen sind, zeigt eine auffallende Dichte am Tuniberg, March und südlichen Kaiserstuhl. Karte: Kelten in Europa Quelle: Wikipedia

1847 fanden Torfstecher im unteren Ried ein Bronzebeil. Das Werkzeug wird zwischen 1000 und 850 v.Chr. eingeordnet.

Aus der gut entwickelten keltischen Sprache blieben nur Orts- und Gewässernamen erhalten. Dazu zählt insbesondere die Bezeichnung Tuniberg (Tuni = tun = Zaun).


Die Römer

Obwohl römische Truppen unter ihrem Heerführer Julius Caesar schon im Jahre 58 v.Chr. am Oberrhein standen, und Kaiser Augustus ganz Germanien bis zur Elbe erobern ließ, erfolgte die eigentliche Besetzung und gezielte römische Erschließung der rechts des Oberrheins liegenden Gebiete erst unter der Herrschaft Kaiser Claudius (41–54 n.Chr.).

Dem Militär folgten zivile Siedler aus dem gallo-römischen Raum, es entstanden Lagerdörfer und Landgüter, sowie kleine Handelsplätze (Endingen). Zahlreiche villae rusticae sind bekannt, nur wenige davon archäologisch erforscht: Drei Fundstellen auf Gottenheimer Gemarkung sowie Römische Bevölkerung Kartenauszug von LEO-BW.

Die Bewohner der römischen Gutshöfe brachten den Wein- und Obstbau in unsere Heimat, ihre Kultur, Häuser- und Straßenbau, Badeanlagen, Handel, Gewerbe und Geldwesen prägten die nachfolgende Zeit.


Die Alemannen

Um das Jahr 250 n.Chr. durchbrachen die Alemannen den Limes und wanderten in das römische Zehntland ein. Doch erst nach 401 als die Truppen zum Schutze Roms gegen den Westgotenkönig Alarich abberufen wurden, konnten Sie das Gebiet zwischen Main und Alpen in Besitz nehmen. Sie siedelten sich an den von den Römern verlassenen Orten an, lebten von Ackerbau, Viehzucht, Jagd und Fischfang. Ihre Waffen und Werkzeuge waren im Vergleich zu den Kelten einfach, doch verstanden sie die Kunst der Eisengewinnung, der Schmied wurde zum wichtigsten Mann im Dorf. Die Freilegung von alemannischen Gräbern auf dem nördlichen Tuniberg um 1955 lassen auf eine ihrer Siedlungen in Gottenheim schließen, die wahrscheinlich im Kirchtal lag.

An den Einbruch der Hunnen im Oberrheintal 451 n.Chr. erinnert der Attilafelsen. Der Hunnensturm hinterließ niedergebrannte Orte und verwüstete Felder. Die Alemannen stellten sich in der Folgezeit unter den Schutz des Ostgotenkönigs Theoderich. Von Nordwesten drohte neue Gefahr:

Um 500: Gebiet der Alamannen

496 schlugen die Franken unter König Chlodwig die Alemannen und drängten sie bis zur Murg (bei Rastatt) zurück, wo bis heute die fränkisch-alemannische Sprachgrenze verläuft.

Nach dem Untergang des Ostgotenreiches stellte sich das Volk unter die Schutzherrschaft des Frankenkönigs Theudebert I, der fränkische Einfluss verstärkte sich, irische Mönche verbreiteten die christliche Lehre, bauten Kirchen und gründeten Klöster.

747 n.Chr. wurden die Alemannen schließlich ganz in das Frankenreich eingegliedert.

Aber auch das war nicht für ewig, siehe die Geschichte der germanischen Stämme.

Hinweis: Das südliche Baden-Württemberg mit Mittel- und Südbaden, Oberschwaben, Vorarlberg, die deutschsprachige Schweiz und das Elsaß bilden zusammen heute noch den gemeinsamen alemannischen Sprachraum.


Erste urkundliche Erwähnung

Belegstelle zu 1086 aus Geschichte der Herzöge von Zähringen

Der Name GOTEHEIM steht erstmals im Gründungsbericht des Klosters St. Georgen im Schwarzwald, welcher die Überschrift trägt: Notitiae fundationis et traditionum monasteri Sanctii Georgii in Nigra Silva.

Am 13. Jan. 1086 n.Chr. erfolgte die rechtliche Übertragung. Anlässlich dieses feierlichen Aktes schenkte Hezelo, Vogt der Abtei Reichenau, an St.Georgen mehrere Güter im Breisgau, darunter solche in GOTEHEIM. Fundstelle.

Vermutete Herkunft des Namens Gottenheim: Es sind nicht die Goten, die hinter dem Namen stecken, sondern ein alter Germane namens Gottfried, Gotthard, Gottwin, Gottbert, Gottmar usw., der dann Got(t)o gerufen wurde. Also des Got(t)en Heim
Quelle: Albert Krieger, Topograph. Wörterbuch des Großherzogtums Baden, 1904, S.736.


Armut und Not durch Kriege, Hunger und Krankheit

Die Pest

1347–1352 wurde ganz Europa von der Pest heimgesucht. Im Breisgau nennt man das Jahr 1350 allgemein das Jahr des Schwarzen Todes. Ortschaften und Familien starben aus, die Friedhöfe konnten die Leichen nicht mehr fassen, die Felder blieben unbestellt. Die Seuche wurde aus dem Süden eingeschleppt, durch verpestetes Wasser, Ratten und Flöhe verbreitet. Zur Abwehr entzündeten die Menschen Notfeuer, verbrannten Bibernelle, Wacholder und Baldrian, zogen Gräben um ihre Dörfer und läuteten die Glocken, um den bösen Geist zu bannen. Die Häuser der Verstorbenen zündete man kurzerhand an.

Eine letzte Zuflucht fanden die Leidenden in ihrem Glauben. Sie errichteten Pestkapellen, – Albans-Kapelle in Bötzingen/ Oberschaffhausen – stellten Pestkreuze auf, riefen die Pest-Patrone: St.Georg als Drachentöter, Rochus und Sebastian um Hilfe an, gelobten jährliche Pestprozessionen abzuhalten oder Passionsspiele aufzuführen.

1564 und 1633 wütete die Seuche in unserem Dorf noch zweimal.

Die Reformation und Vorderösterreich

Die Reformation, begonnen durch Martin Luthers Thesenanschlag in Wittenberg am 31. Oktober 1517, blieb auch für Gottenheim nicht ohne Folgen; denn von nun an bestimmten die Herren die Religion der Untertanen.
Die vorder-österreichischen Gemeinden: Gottenheim, Merdingen, Wasenweiler... blieben katholisch, die Orte des Markgrafen von Baden-Durlach: Bötzingen, Oberschaffhausen, Ihringen... wurden evangelisch.

Das Kranznauische Lehen war also religiös gespaltet. Gab es vorher schon Grenzstreitigkeiten zwischen den Gottenheimer und Bötzinger Bauern, so verschärfte sich die Lage noch mehr. 1525 wurde Hans Nüfferlin als Ketzer auf dem danach Heidnisch Grab oder Heidersgrab genannten Gewann hingerichtet und verscharrt. Gegen diese Eigenmächtigkeit erhob die Regierung der Markgrafschaft Baden-Durlach Beschwerde.

Leibeigenschaft und Bauernkrieg

Bundschuh

Zu jener Zeit betrachteten die Herren nicht nur Land und Hof als ihren Besitz, sondern auch die Menschen, die für sie arbeiteten, als Leibeigene. Die ursprünglich wenigen Frondienste – ein bis zwei Tage im Jahr – wurden auf immer längere Zeiträume ausgedehnt, und waren diese früher auf die arbeitsfreie Zeit der Bauern beschränkt, so holten die Häscher sie jetzt oft mit Gewalt von den Feldern. Die Herren ritten mit ihren Jagdgesellen rücksichtslos durch die bestellten Felder, verwüsteten die Äcker und zerstörten die Ernte. Konrad von Kranzenaus Untertanen klagen: Er hab eim sine korn underbracht, dem andern sein Reben, dem vierten sin matten, dem funfften sin bonne uffgeretzt, die der Arman gesetzt het.

Joß Fritz, aus der Pfalz nach Lehen geflüchtet, sammelte die zu recht erbitterten Bauern und organisierte den Aufstand. Symbol der Erhebung war der Bundschuh, das Zeichen der Erniedrigung (kein Bauer durfte einen anderen Schuh oder Stiefel tragen!).
Am 9. Oktober 1513 sollte die Fahne des Aufruhrs auf der Kirchweih in Biengen entfaltet werden. Der Plan wurde aber verraten und in der Nacht des 1. Oktobers die Verschwörer überwältigt.

Dachswanger Mühle

Nachdem sich die im ganzen Südwest- und Mitteldeutschen Raum aufflackernden Erhebungen zu einem Krieg entwickelt hatten, zogen 1525 die Gottenheimer Bauern erneut gegen ihre Unterdrücker. Sie brannten das Schloß Kranzenau nieder und setzten die Dachswanger Mühle (Foto) in Flammen. Im Auftrage Österreichs sammelte Wilhelm von Rappoltstein Truppen, welche die schlecht bewaffneten, erfahrungslos geführten Aufständischen leicht zerstreuten. Schon am 1. Mai 1525 war die Rebellion niedergeschlagen. Bauernkriege: Karte 1524/25 - Quelle

Im Offenburger Unterwerfungsvertrag vom 18. Sept. 1525 wird Hans Stricher aus Gottenheim als Rädelsführer genannt. Er wurde zur Rechenschaft gezogen und bestraft, jedoch nicht wie andere Hauptschuldige hingerichtet. Allen an der Erhebung beteiligten Gemeinden wurde eine Brandschatzung von 6 Gulden je Herd auferlegt. In Wirtshäusern und auf Kirchweihen schwelte der Aufruhr weiter. Jakob Zimmermann von Gottenheim erzählte von Michael Gaismair, der in Tirol einen Bauernstaat errichten wollte. Doch Erzherzog Ferdinand von Österreich ließ jede weitere Erhebung im Keim ersticken.

Der 30jährige Krieg

Der Ausbruch des 30jährigen Krieges berührte Gottenheim zunächst wenig. Zwar zogen 1619–1622 viele Truppen durch den Breisgau, es kam aber zu keinen Kampfhandlungen. Die katholischen Fürsten schlossen sich zur Union, die evangelischen in der Liga zusammen, die durch den Eingriff der Schweden eine bedeutende Verstärkung erhielt.

Als die Schweden nach Süden vordrangen, mussten die Festung Breisach, vor allem aber die Stadt Freiburg verstärkt werden, was harte Fronarbeit bedeutete. Die schweren Kriegsleiden begannen, als die Schweden Endingen, am 30. Dezember 1632 Freiburg eroberten und die Festung Breisach belagerten. Um die völlige Einkreisung zu verhindern, überfiel der Breisacher Kommandant Montecuccoli am 16. Juni 1633 die bei Gottenheim stehenden Schweden und zwang sie zum Rückzug. Dabei wurde das Dorf fast völlig zerstört, von der Kirche blieb nur der Turm stehen.

1634 lesen wir in einem Bericht an die österreichische Regierung: Hochstetten und Hartheim sind demoliert, die Flecken der Umgebung verödet, die Bevölkerung auf ein Viertel zurückgegangen, nur noch 5% des Bodens ist bebaut. Der arme Knecht hat kein Kleid am Leibe, keine Schuhe am Fuß und zum Essen in der Not Eichelbrot.

1635 heißt es: ...in Mördingen, Waltershofen und Dachswangen ist alles zerschlagen, nicht eine bewohnbare Hofstätte und nicht ein einziger Untertan zu sehen, die meisten sind Hungers gestorben... Hinweis: Wenn Gottenheim in diesem Report nicht erwähnt wird, so nur deshalb, weil es nicht im Herrschaftsbereich des Berichters lag.

1638 wurde Breisach wieder belagert und fiel am 12. Dezember in schwedische Hand: Karte 1638 und Quelle

1645 eroberten die Österreicher Freiburg. Ob Union oder Liga, ob Freund oder Feind, beide erpressten und töteten die Bauern gleichermaßen, und am Ende des Krieges 1648 war unsere Heimat total verwüstet.

Krieg zwischen Frankreich und Österreich

Bis 1600: Vorderösterreichischer Postkurs Früher verlief ein vorderösterreichischer Postcours von Österreich nach Frankreich direkt durch Gottenheim. Quelle: Karte der Postrouten in Baden-Württemberg 1490–1803

Man kann wirklich nicht sagen, dass in den folgenden Jahren das Land in Ruhe wieder aufgebaut werden konnte. Breisach war französisch, Freiburg von Ende 1677 bis 1697 ebenfalls. Die Breisacher Brenner trieben Kriegssteuern ein: Materialien, Geld- und Heuabgaben. Die Dörfer litten unter Raub, Plünderung und Brand. Die Erbitterung der gequälten Bauern war groß. So erschlug 1703 Georg Waibell, der Kueferlin von Gottenheim im Dachswanger Bann einen französischen Überläufer.

Forschungsarbeit Volker Brecht: Grenzstein Neuershausen—Buchheim—Gottenheim

Um 1800: Gottenheim gehört zu Vorderösterreich Am 1. März 1799 ergeht ein Aufruf an die Einwohner des österreichischen Breisgaus:
Unser Vaterland ist in naher Gefahr vom Feinde wieder überfallen zu werden... Aber Leider! hat der Krieg nun schon lange unser Land geplaget, und jetzt sollen die Uibel desselben durch einen abermaligen feindlichen Einfall aufs neue vermehrt werden!... Ende 1799 wurden alle Waffenfähigen vom 18. bis 50. Lebensjahr registriert, dabey anzumerken, wer selbst mit einem Schießgewehr versehen sey. Quelle: LEO BW: Karte Vorderösterreich um 1800

Am 25. April 1800 kam eine französische Armee bei Breisach über den Rhein und rückte über Merdingen und Gottenheim vor. Nach einem Gefecht bei Hugstetten und Lehen besetzten sie Freiburg. Die traurige Lage beschreibt ein Zeitungsartikel vom 2. Jan. 1802: ...Die kostbare Verpflegung der Truppen...hat dieses durch einen 10jährigen Krieg, und feindliche Brandschatzung zerrüttete Ländchen an den Rand des Verderbens gebracht.

Das durch Napoleon I. Gnaden zum Großherzogtum Baden erhobene Land musste dem Kaiser dafür 8.000 Mann zur Führung seiner Kriege stellen. Sammelplatz für die Region war Buchheim. Wieviele Gottenheimer sich unter den Rekruten befanden, ist nicht bekannt. Die Truppen mussten nach Spanien ziehen. Nach einem Kampf am 7. August 1810 wird vermerkt: Die braven badischen Voltigeurs (Elitetruppe der Infanterie) vertheidigten sich mit Verzweiflung, bis alle Patronen verschossen waren und wurden zuletzt niedergemacht... An Napoleons Russlandfeldzug mussten 6.000 Badener teilnehmen, von welchen nur 400 zurückkehrten.

Hunger-/Teuerungszeit, Bad.Revolution

Vergleich Währungen in Deutschland / Kurse

Nach dem Befreiungskrieg 1813 kam der ganze Breisgau durch die einquartierten Truppen der Verbündeten – darunter Russen und Österreicher – in schwere Bedrängnis. Gottenheim zahlte – so Eintragung von 1815 – an Kriegskosten:

Da die Gemeinde diesen hohen Betrag nicht aufbringen konnte, wandte sie sich an private Geldgeber und erhielt so:

Die hohe Verschuldung des ganzen Landes brachte die Teuerung:

Als Folge stehen 1816 und 1817 als die größten Hungerjahre in den Gottenheimer Akten verzeichnet.

1813 begann man zur Verbesserung der Existenzgrundlage der Bauern mit der Kultivierung des versumpften Ödlandes in den Gewannen Moos und Eichen, die zu Ackerland und Matten umgewandelt wurden.

1850–1855 war die zweite Hunger- und Teuerungszeit: Die Fürstlich Hohenzollerische Verwaltung in Umkirch gab für die notleidende Bevölkerung täglich eine Suppe aus, die in einem kleinen Fass auf einem Karren nach Gottenheim geholt und im Dorf verteilt wurde.

In diesen Zeiten (speziell nach 1848 als die badische Revolution scheiterte) gab es auch in Gottenheim viele Auswanderer, die meisten gingen nach Nordamerika


Berichte zum 1. und 2. Weltkrieg

Seite Weltkriege und Kriegsopfer in Gottenheim


Straßenbau/Infrastruktur

Seite Straßenbau in Gottenheim

Landwirtschaft

Seite Landwirtschaft in Gottenheim


Kirche und Schule

Geschichte der Schule in Gottenheim

Geschichte der kath. Kirche in Gottenheim und Geschichte des Kirchenchores

Gesangverein, Musikverein und Freiwillige Feuerwehr

Geschichte des Kirchenchors Gottenheim

Geschichte MGV Liederkranz Gottenheim

Geschichte der Musikvereins Gottenheim

Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr


Die Gemeindeverwaltung

Vor dem 19. Jahrhundert lag die Hauptlast der Verwaltung, sofern man von einer sprechen kann, beim Vogt der Gemeinde. Dieser wurde von der Grundherrschaft bestellt, also nicht durch Wahlen ermittelt. Bestand zwischen der Herrschaft und der Gemeinde ein gutes Verhältnis, so wird diese einen angenehmen Vogt nach Rücksprache mit den Untertanen vorgesetzt haben. Ihm zur Seite standen noch der Stabhalter und die Gerichtsmitglieder. Dieses Gremium tätigte hauptsächlich Käufe und Verkäufe, die unter dem Stab, einem 80 cm langen Stock, mit dem aufgesetzten Gemeindewappen aus Silber, vor sich gingen. Die Gerichtsmitglieder fungierten als Zeugen und unterschrieben die getätigten Käufe/Verkäufe. Diesen Vorgang nannte man Gerichtsverhandlung und die ausgefertigten Kaufverträge als Gerichtsprotokolle. Sie stellen die ältesten Grundbücher der Gemeinde dar.

Die eigentlichen Grundbücher setzten erst mit dem Jahre 1810 ein. Protokollbuchführer waren sehr oft Lehrer, die auch als Ratsschreiber bis zum Jahre 1835 tätig waren. Der Gemeinderechner, früher auch Gemeindeschaffner genannt, geht bis in frühere Zeiten zurück. Er ist in den Gemeinden, die früher Vogteien genannt wurden, seit dem 30jährigen Krieg fast überall schon vorhanden. Mit der Zugehörigkeit zum Großherzogtum Baden setzte ein großer Wandel in der Verwaltung ein, man nannte das Land Baden deshalb auch das Musterländle. Von jetzt an trug hauptsächlich der Ratsschreiber die Last der Verwaltung.

Mit der 1. Badischen Gemeindereform vom 1. Juni 1832 erfolgte die Wahl des Bürgermeisters durch die Bürger der Gemeinde. Der Bürgermeister hatte zu seinem Gehalt von 15 Gulden noch die Nutzung von einem halben Juchert Acker und einem halben Juchert Matten (Fundstelle: 1 Juchert = 34,92 ar).

Als 1833, dem Jahr nach der Einführung der 1. Badischen Gemeindeordnung, der damalige Bürgermeister Johann Band gefragt wurde, was die Gottenheimer denn für Leute seien, schrieb er:

Hier sind alle gleich deutsch, katholisch. Es wohnt in Gottenheim ein gesunder Volksschlag mit guten geistigen Anlagen, der von einfacher Bauernkost mit Ausnahme von Pfarrer und Lehrer lebt. Die Geldverhältnisse sind jedoch schwach.

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